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Es war ein Zufallsfund, als ein Landwirt beim Pflügen seines Ackers in Nettersheim-Pesch eine Sandsteinplatte entdeckte und darunter einen Hohlraum mit Lanzenspitze. Schnell war den sofort verständigten Archäologen vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland klar, dass es sich um ein unberaubtes frühmittelalterliches Kriegergrab handeln musste. Ein wahrer Glücksfall, denn unberaubte Gräber sind trotz zigtausender Grabfunde aus der Merowingerzeit (450–750) relativ selten. Immer wieder waren und sind sie Ziel von Raubgräbern – deshalb war auch hier Eile bei der Freilegung geboten, die die Gemeinde Nettersheim aktiv unterstützte.
Die gefundene Buntsandsteinplatte war Teil eines sogenannten Steinplattengrabs von 2,30 m Länge und 1,05 m Breite. Darin hatte man den Toten in einem Holzsarg beigesetzt, von dem nur noch die eisernen Eckbeschläge erhalten sind.
Die Angehörigen gaben dem Verstorbenen seine Waffen mit ins Jenseits: Lanze und Schild, die zwischen Sarg und den umgebenden Steinplatten lagen, sowie Kurzschwert (Sax) und Langschwert (Spatha). Aus der Lage der Funde ließ sich erschließen, dass der Tote das einschneidige Kurzschwert in einer Scheide am Gürtel getragen hatte. Vom Gürtel zeugen noch die eiserne, silberverzierte Gürtelschnalle mit einem für das Rheinland ungewöhnlichem Muster und Gürtelbeschläge. Das zweischneidige Langschwert von 84 cm Länge mitsamt seinem verstellbaren Schwertgurt aus Leder mit Bronzeschnallen und -beschlägen war nicht angelegt und lag neben dem linken Bein. Zur Reise ins Jenseits hatte man dem toten Krieger in antiker Manier sogar eine Goldmünze in den Mund gelegt. Den Tremissis prägte der fränkische Münzmeister Elidius aus Ledosum, dem wohl heutigen Lezoux, Dep. Puy-de-Dome in Frankreich.
Der Grabfund ist für die Archäologen in mehrerlei Hinsicht bedeutend: Die Bestattung ist unberaubt und Grabbau sowie Waffenausstattung belegen, dass man hier im mittleren Drittel des 7. Jahrhunderts zweifellos einen Angehörigen der lokalen Führungsschicht beigesetzt hat. Zudem liegt nun erstmals ein dokumentiertes Grab des Reihengräberfelds von Pesch vor, von dem nur wenige Altfunde überliefert sind.
Der Fund des Monats wird vom 1. bis 31. Dezember im Foyer des LVR-LandesMuseums Bonn präsentiert.