LVR-Amt für
Bodendenkmalpflege
im Rheinland
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Tüllenkanne Pingsdorfer Machart, um 1200, Fundort Brauweiler (Foto: Alfred Schuler, LVR-ABR)

Archäologie
im Rheinland

Funde in der Landschaft – Neue Perspektiven und Ergebnisse archäologischer Prospektionen

Fachtagung am 12. und 13. Juni 2017 in Köln

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Seit über 100 Jahren werden unterschiedliche Methoden der archäologischen Prospektion eingesetzt, um bislang unbekannte Fundstellen aufzuspüren oder prähistorische Siedlungslandschaften zu rekonstruieren.

Zunächst war die archäologische Feldbegehung, bei der archäologische Fundstellen auf der Oberfläche gesucht, gesammelt, datiert und in ihrer Lage kartiert werden, alleiniges Mittel.

In den letzten Jahrzehnten haben sich dank großer technischer Fortschritte vor allem geophysikalische und andere technische Prospektionsmethoden etabliert. Sie liefern vielfach detaillierte Informationen über die Lage und Binnenstruktur archäologischer Fundplätze.

Die Ergebnisse und Aussagemöglichkeiten archäologischer Feldbegehungen sind andersartig. Sie zeigen, wenn auch nicht so scharf abgegrenzt, nicht nur die Ausdehnung aufgegebener Siedlungsareale, sondern auch unterschiedliche Aktivitätsbereiche innerhalb der Siedlungen. Das geborgene Fundmaterial ermöglicht bereits vor der Grabung eine Datierung der Fundplätze und erlaubt auch eine Gliederung der Binnenstruktur multitemporal genutzter Fundplätze.

Während die Befunde aus geophysikalischen Prospektionsmethoden ebenso wie aus der Auswertung von Luftbild- und LIDAR-Befunden bereits auf den ersten Blick gut les- und interpretierbar erscheinen, wirken die Ergebnisse von Feldbegehungen auf den ersten Blick weniger genau. Durch lagegenaue Einmessung aller Oberflächenfunde, statistische Auswertung der Verteilungsmuster sowie den Abgleich mit anderen Prospektionsmethoden und Ausgrabungsergebnissen können dennoch sehr detaillierte Erkenntnisse gewonnen werden.

Im Rahmen der Tagung sollen die Ergebnisse von Prospektionsprojekten, immer mit dem Schwerpunkt der Feldbegehung, vorgestellt und unter den folgenden Themen diskutiert werden:

Prospektion als Mittel des präventiven Kulturgüterschutzes:

Durch den noch immer rasant fortschreitenden Flächenverbrauch sind in ganz Europa archäologische Denkmäler gefährdet. Um möglichst frühzeitig eingreifen zu können, werden neben der Feldbegehung und anderen Prospektionstechniken auch große Sondageprogramme durchgeführt. Vor dem immer vorhandenen Zeit- und Kostendruck soll diskutiert werden, mit welcher Methode das archäologische Potenzial eines Plange-bietes am besten erfasst werden kann. Wie hoch sind Kosten und Zeitaufwand? Erlaubt Prospektion in der Raumplanung noch den Erhalt von Fundstellen oder ermöglicht sie die gut geplante Zerstörung durch Verursacher finanzierte Ausgrabung?

Landschaftsarchäologische Projekte, die möglichst diachron und Fundplatztypübergreifend größere Regionen erforschen:

Insbesondere ein holistischer Ansatz, die Anwendung unterschiedlicher Prospektionsmethoden – Feldbegehung, geophysikalische Messungen, Luftbildauswertung, LIDAR-Daten und Analyse von Altkarten –, ermöglichen umfangreiche Ergebnisse.

Für die Interpretation der Daten ist eine kritische Bewertung der Auswirkung von Prozessen während und nach der Deponierung der Funde notwendig, da sie die detektierbaren Oberflächenbilder sehr unterschiedlich beeinflussen können.

Neben den klassischen Siedlungen, die sich vielfach durch einen deutlichen Anstieg von Funden an der Erdoberfläche zeigen, sollen auch off-site-Fundstellen und ihre Erkennbarkeit in den Blick genommen werden.

Ähnlich verhält es sich auch mit einzelnen Zeitphasen und Befundgruppen, die sich mittels Prospektion nur sehr schlecht gezielt auffinden lassen. Gesucht werden Möglichkeiten, solche Fundplätze präziser erkennen und definieren zu können.

Ephemere Fundplätze:

Die Relikte menschlicher Aktivitäten, die ihre Spuren nur auf der Erdoberfläche hinterlassen haben, sind in Mitteleuropa nur unter äußerst günstigen Bedingungen erhalten geblieben. Viel häufiger sind sie durch ackerbauliche Nutzung verändert und verlagert worden. Dennoch können durch die genaue Kartierung von Fundobjekten manche Fundplätze sichtbar gemacht und analysiert werden. Neben römischen oder neuzeitlichen Schlachtfeldern können dies mittelalterliche Felddüngung ebenso wie paläolithische Lagerplätze sein, die durch Feldbegehung mit Einzelfundeinmessung und Metalldetektorprospektion fassbar werden.

Ziel der Veranstaltung ist es, den Blick auf die Möglichkeiten und Grenzen, die die Feldbegehung, auch und gerade in Kombination mit anderen Prospektionstechniken, bietet, zu schärfen. Sie soll eine Plattform für den Austausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bieten, die die Feldbegehung und Metalldetektorprospektion als ein wichtiges Instrument zur Erforschung archäologischer Fundplätze und Landschaften nutzen. Die Tagung soll Diskussionen zu den Herausforderungen und Perspektiven, Forschungsstrategien von Methoden anstoßen sowie die Netzwerkbildung der verschiedenen Landesarchäologien, Universitäten und über Landesgrenzen hinweg fördern.

Fachtagung des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland
12. und 13. Juni 2017
Fritz Thyssen Stiftung
Apostelnkloster 13-15
50672 Köln

Programm und Anmeldung (PDF, 1,6 MB)

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