LVR-Amt für
Bodendenkmalpflege
im Rheinland
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Tüllenkanne Pingsdorfer Machart, um 1200, Fundort Brauweiler (Foto: Alfred Schuler, LVR-ABR)

Archäologie
im Rheinland

Der Niedergermanische Limes auf dem Weg zum Welterbe

Bestandserhebung gemeinsam mit den Niederlanden und Rheinland-Pfalz

Die Grenze des römischen Imperiums ist das größte lineare Denkmal in Europa. Zwischen Vinxtbach im heutigen Rheinland-Pfalz und der Nordseeküste bei Katwijk bildete der Niedergermanische Limes (limes = lat. Grenze, Grenzweg) einen wesentlichen Teil dieser Grenze: Entlang des antiken Rheinufers reihten sich die Standorte des niedergermanischen Heeres auf einer Länge von 385 km auf. Der Grenzabschnitt entlang des Rheins soll zukünftig Teil der bestehenden internationalen UNESCO-Welterbestätte "Grenzen des Römischen Imperiums" werden. Welterbestatus haben bereits Hadrians- und Antoninuswall in Großbritannien sowie der Obergermanisch-Raetische Limes in Deutschland.

Ziel des Projektes ist es, gemeinsam mit den zuständigen Institutionen in den Niederlanden und Rheinland-Pfalz eine Aufnahme des Niedergermanischen Limes (NGL) in die UNESCO-Welterbeliste zu erreichen. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten am 16. April 2015 im LVR-LandesMuseum Bonn Vertreter der niederländischen Agentur für das kulturelle Erbe, der drei niederländischen Provinzen Gelderland, Utrecht und Südholland sowie der Bundesländer Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Die Niederlande haben sich bereiterklärt, als Konsortialführer („lead partner“) in den nächsten Jahren den Antrag bei der UNESCO einzureichen. Die Initiative für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ging vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege aus, das seit Jahren die in Frage kommenden Fundplätze erforscht. (Presseinformation zur Vereinbarung)


Grenzsicherung am Rhein

Die Stationierung römischer Legionen am Rhein unter Kaiser Augustus revolutionierte eine Jahrtausende alte ländliche Siedlungslandschaft: Ab etwa 15 v. Chr. prägten monumentale Architektur, urbane Kultur, Menschen- und Warenströme aus weit entlegenen Teilen der damals bekannten Welt das linke Rheinufer – Werte, die bis heute das Rheinland kennzeichnen.

Der Niedergermanische Limes verlief vom Vinxtbach - südlich von Bad Breisig im heutigen Rheinland-Pfalz - bis zur Nordseeküste bei Katwijk: Entlang des antiken Rheinufers reihten sich die Standorte des niedergermanischen Heeres (exercitus Germaniae inferioris) auf einer Länge von ca. 385 km einer Perlenkette gleich auf. Dabei kam dem etwa 220 km langen Abschnitt im heutigen Rheinland eine zentrale Bedeutung zu: Er diente als Hauptstationierungsraum der Legionen mit den wichtigsten Legionslagern (castra) Bonna/Bonn, Novaesium/Neuss und Vetera/Xanten. Hier lag auch der zentrale Stützpunkt der Rheinflotte (classis Germanica, Köln-Marienburg), die bis in die Nordsee hinein operierte. In Köln (Colonia Claudia Ara Agrippinensium) residierte der kaiserliche Statthalter (legatus Augusti pro praetore) in seinem Palast (praetorium) als Oberbefehlshaber der gesamten niedergermanischen Armee, die immer wieder auch für Feldzüge in entfernte Reichsteile und darüber hinaus eingesetzt wurde. Wachtürme (turres/burgi), Kleinkastelle (praesidia) und Hilfstruppenkastelle (castella) sicherten den Waren- und Personenverkehr entlang des Rheins und über die Grenze des Imperium Romanum hinaus. Um den monumentalen Anspruch römischer Baukunst auch am Rhein umzusetzen, unterhielt das Militär auch Produktionsorte wie etwa Ziegeleien (fligninae) und Steinbrüche (lapicidanae).

Zeugnisse des Niedergermanischen Limes

Bedeutende und vielfältige Zeugnisse des Niedergermanischen Limes sind an zahlreichen Orten erhalten und heute noch erfahrbar. In den Innenstädten hat die urbane Kontinuität die antiken Bodendenkmäler oftmals geschützt und erhalten. So prägen die Lagerstraßen der Legionslager von Bonn und Neuss noch heute das dortige Straßenbild. Das Praetorium zu Köln, dessen mächtige Grundmauern unter dem sog. Spanischen Bau präsentiert werden, gilt als der am besten erhaltene Statthalterpalast im römischen Reich. Spätantike Festungsbaukunst hat sich ebenfalls über die Jahrhunderte im Rheinland noch obertägig gut sichtbar erhalten, wie etwa die Kastelle von Divitia/Köln-Deutz und Haus Bürgel bei Monheim.

Selbst die nur zu Übungszwecken von Legionären angelegten Lagerwälle sind obertägig immer noch bei Bonn (Kottenforst) und Xanten (Hochwald) im Gelände zu bestaunen. Unüberbaut präsentieren sich das größte Legionslager des römischen Reiches, das Zweilegionenlager Vetera I bei Xanten-Birten sowie die beiden rheinabwärts folgenden Hilfstruppenkastelle von Burginatium (Kalkar-Altkalkar) und das jüngst entdeckte Lager von Till-Steinches Hof. Die Grundrisse kamen durch den Einsatz von Luftbildarchäologie und geophysikalischen Prospektionsmethoden zum Vorschein und liefern spannende Einblicke in die antike Militärarchitektur.

Zielsetzung des Projektes

Dem Potenzial dieses Grenzabschnittes wird seit 2005 durch das Projekt "Bestandserhebung Niedergermanischer Limes (NGL)" am LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland Rechnung getragen. Es umfasst vier Aufgabenbereiche:

  1. Zustandserfassung und Dokumentation der Militäreinrichtungen,
  2. Entwicklung und Ausbau eines Schutz- und Pflegekonzepts in Verbindung mit der Stadt- und Regionalentwicklung,
  3. Verbesserte Erschließung der Einzeldenkmäler des NGL und Museen unter einem Corporate Design,
  4. Entwicklung übergreifender Forschungsfragen unter Einbeziehung des Limesvorfeldes und Hinterlandes.

Ziel ist es, gemeinsam mit Rheinland-Pfalz und unter Federführung der Niederlande das römische Grenzsystem der Provinz Niedergermanien vom Vinxtbach (Rheinland-Pfalz) bis zur niederländischen Nordseeküste als Erweiterung der schon bestehenden UNESCO-Welterbestätte "Grenzen des Römischen Reiches" zu beantragen.

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Ausgewählte archäologische Denkmäler des Niedergermanischen Limes

Bonn-Castell/Castra Bonnensia: das Legionslager von Bonn: (BD BN 014)

Der Name „Römerstraße“ lässt schon erkennen, dass man hier auf historischen Wegen wandelt. In der Tat geht das heutige Straßenbild in Bonn-Castell auf die Hauptachsen des Legionslagers Bonna castra zurück und ermöglicht es im Rahmen eines Stadtrundganges, die gewaltigen Dimensionen heute noch zu erwandern. So markieren die Straßen Rosental, Graurheindorfer Straße und Augustusring das Festungsareal. Auch die wichtigsten Lagerstraßen haben sich erhalten: die via principalis, die heutige Römerstraße, verlief quer zur Ausrichtung des Lagers zum Rhein hin. Nordstraße (via decumana) und Badener Straße (via praetoria) gehen auf die rechtwinklig dazu führenden zentralen Lagerstraßen zurück. An verschiedenen Stellen verweisen Rekonstruktionen auf Aspekte des Legionslagers: Soldatengrabsteine mit Relief stehen an der Ecke Augustusring/Römerstraße und der Ecke Rosenthal/Römerstraße im Bereich der ehemaligen Lagertore. Ein Kasernengrundriss im Modell befindet sich neben den Resten der mittelalterlichen Dietkirche Ecke Rosental/Graurheindorfer Straße (Zugang über Rosental). Ein rekonstruierter Lastenkran Ecke Augustusring/Römerstraße (Fußweg zur Rheinpromenade) verweist auf die hochentwickelte Bauleistung römischer Legionstruppen.


Bonn-Röttgen: Übungslager der Bonner Legion: (BD BN 008)

Im Kottenforst bei Bonn-Röttgen haben sich die Wälle eines Übungslagers mit typischen Merkmalen römischer Lagerarchitektur erhalten. Seinen rechteckigen Grundriss, die sorgfältig abgerundeten Lagerecken und die Torbefestigungen kann man im Gelände noch gut erkennen. Das Übungslager von Bonn-Röttgen wird von einem Waldweg durchschnitten und ist stellenweise mit nur lichtem Wald bewachsen. Dadurch ist es gut zu erreichen und zu sehen. Weitere Lager sind aus dem direkten Umfeld sowie aus der Gegend um Alfter bekannt.


Köln: Praetorium, Statthalterpalast

Sitz des Statthalters der römischen Provinz Niedergermanien war das Praetorium in Köln. Der Statthalter (legatus Augusti pro praetore) war zugleich ziviler wie militärischer Vertreter des Kaisers und so auch Oberkommandierender des gesamten niedergermanischen Heeres.

Das Kölner Praetorium war damit auch Schaltzentrale für alle militärischen Belange. Die imposanten Überreste sind heute unter dem sog. Spanischen Bau (Rathaus) zu sehen.

Informationen und Besucherhinweise zum Praetorium:


Monheim: Haus Bürgel. Museum und Naturkundestation

Der romantisch gelegene heutige Vierkanthof "Haus Bürgel" zeigt heute noch die Ausmaße seines antiken Vorgängers, des spätantiken Kastells aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. Ein geführter Pfad mit Informationspunkten vermittelt die zum Teil imposanten antiken Mauerreste. Das neu gestaltete Museum und die Naturkundestation machen den Besuch zusätzlich lohnenswert.


Informationen und Besucherhinweise zu Haus Bürgel:

Neuss: Clemens-Sels-Museum

Das Museum beherbergt u.a. eine reichhaltige Auswahl an Fundstücken aus dem Neusser Legionslager, der Zivilsiedlung und den Gräberfeldern. Die Sammlung ermöglicht spannende Einblicke in den Alltag einer römischen Garnison am Rhein.


Informationen und Besucherhinweise zum Clemens-Sels-Museum:

Anprechpartner

Steve Bödecker M.A.
Tel.: 0228 9834 -184
E-Mail: steve.boedecker@lvr.de

LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
Endenicher Straße 133
53115 Bonn
Fax: 0228 9834 -119

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