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Pressemitteilung, Zülpich 19. Mai 2011
Das Rheinland ist eine der archäologisch fundreichsten Regionen Europas. Durch alle Zeiten wartet es immer wieder mit besonderen Entdeckungen auf. Die Ausstellung „Fundort Rheinland" vom 21. Mai bis 3. Oktober 2011 in den Römerthermen Zülpich – Museum der Badekultur präsentiert eine Auswahl herausragender archäologischer Funde aus dem Rheinland.
Den Besuchern der Sonderausstellung bietet sich ein umfangreiches Bild von Fossilien aus dem Erdaltertum und archäologischen Funden aus allen Epochen der Menschheitsgeschichte. Sie stammen aus dem Rheinland – einer der fundreichsten Regionen Europas – und einige davon aus dem Zülpicher Raum. Nach Köln, Düsseldorf, Bonn, Berlin und Siegburg präsentiert sich die Ausstellung auch hier vollständig aktualisiert.
Nur eine Auswahl der vorgestellten zum Teil spektakulären Funde und Forschungsergebnisse seien herausgegriffen:
So lagerten sich in einem See bei Hennef-Rott vor 24 Millionen Jahre Reste der damaligen Flora und Fauna ab. Nun versteinert zu Fossilien geben sie Einblicke in eine längst vergangene subtropische Umwelt im Siebengebirge, als noch Krokodile hier heimisch waren.
In den Zülpicher Seegärten konnten vor Erschließung eines Neubaugebietes eine jungsteinzeitliche Siedlung geborgen werden, die anhand der Keramik in die Zeit von 4600 bis 4300 v. Chr. datiert wird. Neben der Keramik fanden sich auch Steingeräte aus Feuerstein, Knochen und Geweih. Diese Funde weisen auf die Existenz einer Siedlung hin, die sonst schwer nachweisbar sind, wenn Spuren von Häusern fehlen.
Römische Architekturteile wie reich verzierte Kapitelle und Friese aus dem neronischen Doppellegionslager Vetera I bei Xanten (60 n. Chr.) belegen, dass die rheinischen Legionslager nicht militärisch schlicht – wie lange angenommen –, sondern urban ausgestattet waren. Die monumentale Architektur sollte jedoch nicht nur den Soldaten und Offizieren heimisches Ambiente vermitteln, sondern auch den Herrschaftsanspruch Roms in den besetzen Gebieten demonstrieren.
Bei der baulichen Erweiterung des Seniorenheims ‚Haus Baden' in Zülpich wurden zwei Abfallgruben aus der römischen Kaiserzeit entdeckt. Aus diesem Befund stammt ein Mühlstein mit umlaufender Inschrift, die wertvolle Hinweise auf den Besitzer gibt. Demnach gehörte der Mühlstein einem Kontubernium (kleinste Einheit des römischen Heeres) des Prudens in der Zenturie des Publius Vecius. Dieser Oberstein einer Handmühle ist bislang der einzige militärische Fund in Zülpich.
Vor der Errichtung des Geriatrischen Zentrums Zülpich konnte auf dem Gelände ein Gräberfeld der römischen Kaiserzeit freigelegt werden. Einen besonderen Fund stellen hier ein kleines Goldtäfelchen sowie ein goldener Fingerring dar, die offensichtlich für ein magisches Ritual benutzt wurden, denn die Buchstaben und Zeichen auf dem Täfelchen werden als Liebeszauber gedeutet.
Aus einem römischen Gräberfeld bei Hürth-Hermülheim stammen zwei bemalte Gänseeier, die bislang im Rheinland einmalig sind. Ihre unterschiedliche Lage in einem Frauengrab lassen auf ihre Funktion als Speisebeigabe bzw. Zutat zur Herstellung von Kosmetik vermuten.
Dass es an reichen frühmittelalterlichen Bestattungen im Rheinland nicht mangelt, zeigen die Grabfunde aus Inden-Altdorf und Rommerskirchen.
Eine kürzlich erfolgte Grabung am Wallgraben der Zülpicher Burg brachte u. a. mittelalterliche Gebrauchskeramik, Bauteile und eine Kanonenkugel zutage. Ein Teilstück eines Wasserleitungsrohrs aus Steinzeug wird ins 17.-18 Jh. datiert. Ein Ochseneisen wurde aus der neuzeitlichen Grabenverfüllung geborgen.
Anliegen der Ausstellung ist jedoch nicht nur die reine Präsentation neuer herausragender Funde und Forschungsergebnisse, sondern auch der Blick hinter die Kulissen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland und des LVR-LandesMuseums Bonn.
Leitbegriffe führen den Besucher durch die Ausstellung und beschreiben die zentralen gesetzlichen Aufgaben der beide Einrichtungen: Erfassen und Bewerten – Ausgraben und Dokumentieren – Retten und Bergen – Schützen und Pflegen– Sammeln und Sichern - Restaurieren und Konservieren – Erforschen und Ausbilden – Beraten und Unterstützen – Vermitteln und Informieren.
Anhand von 14 ausgewählten Fundkomplexen aus Bonn, Brühl, Erkelenz-Lövenich, Hennef-Rott, Hürth-Hermülheim, Inden-Altdorf, Moers-Schwafheim, Rommerskirchen, Xanten, Zülpich sowie aus dem Gebiet der mittleren Rur im Kreis Düren lernt der Besucher sämtliche Aufgabenfelder, Methoden und Arbeitsweisen der rheinischen Archäologie kennen.
Vom Beginn des Erdaltertums über das erste Auftreten des Menschen bis heute reicht der betreute Zeitraum, vom Erfassen der Fundplätze bis zur vielfältigen Vermittlung an die Öffentlichkeit reicht das gesetzlich fixierte Aufgabengebiet der Archäologie – eine breite Palette, die hohe Fachkompetenz erfordert. Der Landschaftsverband Rheinland hält diese mit dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland und dem LVR-LandesMuseum Bonn vor, um so den vorrangigen Anliegen nachzukommen: dem Schutz und der Pflege des umfangreichen archäologischen Kulturerbes des Rheinlands und dessen Vermittlung an die Öffentlichkeit.
Ausstellung "Fundort Rheinland" 21. Mai bis 3. Oktober 2011 Römerthermen Zülpich – Museum der Badekultur, Mühlenberg 7, 53909 Zülpich; Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr Samstag, Sonn- und Feiertage von 11 bis 18 Uhr
(Bildmaterial auf Anfrage)