Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

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Methoden

1. Vorbereitende Arbeiten (desktop analysis)

In Vorbereitung einer Prospektion muss eine Auswertung bereits vorliegender Informationen erfolgen. Ziel ist die Beurteilung des archäologischen Kenntnisstandes sowie der anthropogenen Veränderungen des Untersuchungsgebietes und die daraus resultierenden Auffindungs- und Erhaltungsbedingungen archäologischer Fundstellen. Dafür ist unter anderem die Sichtung und Bewertung von Informationen zu bekannten archäologischen Plätzen bzw. Funden, zu archäologischen und geologischen Befunden in Luftbildern und Luftbildkarten (Luftbildprospektion) zu der geologischen, bodenkundlichen und morphologischen Situation des Areals notwendig.

Diese Arbeit umfasst auch die Auswertung von historischen Karten, Bodenkarten und von Laserscanningdaten, um Hinweise auf alte Abgrabungsflächen, Kulturlandschaftselemente zu erhalten. Einbezogen werden auch Archivalien und ortskundliche Schriften.

2. Terrestrische Prospektion auf Acker- und Grünflächen

Geoarchäologische Untersuchungen (Geowissenschaften)

Den Begehungen muss immer ein geoarchäologisches Untersuchungsprogramm vorgeschaltet werden. Geoarchäologische Bohrungen und Schnitte geben Aufschluss über  Bodenaufbau und Bodenverhältnisse, sie ermöglichen somit eine zuverlässige Beurteilung des archäologischen Zusammenhangs und bieten einen Einblick in die  Paläomorphologie der Flächen. Diese Untersuchungen sind zwingend, da in historischer Zeit durch Bodenaufträge und Abgrabungen teilweise großflächige Veränderungen der Landschaft erfolgt sind. Außerdem können Erosions- und Akkumulationsvorgänge das Verteilungsbild von Oberflächenfunden stark beeinflussen.

Begehung

Begehung verbunden mit lagegetreuer Einmessung der Funde ist die gängige Vorgehensweise auf ackerbaulich genutzten Flächen. Sie beruht darauf, dass beim Pflügen der Felder in Befunde eingegriffen wird, die unter dem Humus liegen. Dabei werden Funde erfasst und an die Oberfläche gefördert.
Ausgehend von den Ergebnissen der bodenkundlichen Untersuchungen erfolgt die Festlegung der zu begehenden Flächen bzw. die Auswahl anderer prospektiver Methoden. Zur Vorbereitung der Begehung erfolgt eine kursorische Besichtigung der zur Prospektion anstehenden Flächen ohne Aufsammlung der Funde, um einen ersten Eindruck über Begehungsbedingungen, Fundstellensituation bzw. Fundstreuungen zu gewinnen. Dabei erfolgt auch eine genaue Beobachtung der Humusbeschaffenheit, Kartierung der Bodenveränderungen als Indikatoren angepflügter Befunde oder partiell vorhandener Bodenaufträge.

Begehung mit Einzelfundeinmessung

Im ersten Schritt werden die Parzellen oder Nutzungs-Einheiten, die identische Bedingungen (Bewuchs, Abregnungsgrad, etc.) aufweisen eingemessen. Soweit kleinflächig abweichende Begehungsbedingungen durch stärkeren Bewuchs o.ä. vorhanden sind, werden diese Areale ebenfalls kartiert. Idealer Weise erfolgt eine Begehung auf gepflügten, geeggten und gut abgeregneten Flächen in einem Abstand von 3 Metern.
Die Funde auf der Oberfläche werden ausgesteckt und mit einem elektronischem Tachymeter einzeln eingemessen. In der Einmessung entspricht immer ein Koordinatenpaar mit Höhenangabe einem Einzelfund, der nach der fortlaufenden Nummer der Messung eindeutig gekennzeichnet wird. Die Lage angepflügter Befunde wird ebenso eingemessen.

Prospektion auf Grünflächen

Alternativ zur Begehung mit Einmessung der Funde wird die Prospektion auf Wiesenflächen mittels großvolumiger Bohrungen oder Siebtestlöcher durchgeführt, die durch geophysikalische Untersuchungen ergänzt werden können. Dabei werden großvolumige Bohrungen mit einem Edelmannbohrer geeigneter Größe im Humus in einem festen Raster (beginnend mit 20 Metern im Quadrat und verdichtend bei Fundvorkommen) zur Gewinnung von Funden und Aussieben des Bohrgutes (vorwiegend auf Sandböden) niedergebracht.
Statt dessen können auch "Siebtestlöcher" im Humus in einem festen Raster (beginnend mit 20 Metern im Quadrat und verdichtend bei Fundvorkommen) zur Gewinnung von Funden durch Aussieben des Aushubes mit Dokumentation etwaiger Befunde unterhalb der Humusunterkante angelegt werden.
Es empfiehlt sich auch vorhandene Aufschlüsse (z. B. Baumgruben, Maulwurfshügel, Entwässerungsgräben etc.) zu überprüfen, etwaige Funde aufzusammeln und ihre Lage einzumessen.
Untersuchungen auf Grünflächen können gut durch geophysikalische Prospektion, die Detailinformationen zu den Befunden innerhalb einer archäologischen Fundstelle gibt, ergänzt werden.

Sondagen

Art, Beschaffenheit, Ausdehnung und Erhaltungszustand einer archäologischen Fundstelle werden, ohne das Bodendenkmal großflächig zu zerstören, durch Sondagen ermittelt. Dabei wird der Oberboden (Humus) entfernt, die Oberfläche der Befunde freigelegt und ein erster Einblick auf die archäologische Substanz ermöglicht. Länge und Breite der Sondagen sind Art und Zeitstellung des Platzes anzupassen. Nach Erstellung eines ersten Planums auf Befundhöhe erfolgt die Untersuchung ausgewählter Befunde unterschiedlicher Art zur Feststellung der Befunderhaltung. Dabei sind kleinflächige Befunde wie Pfosten, Gräber, Gruben etc. stets vollständig zu untersuchen. Bei komplexeren Schichtbefunden bzw. sich überschneidenden Befunden ist die Fläche der Sondage vollständig bis zum anstehenden Boden zu untersuchen.
Prospektion im Wald

Ein Sonderfall ist die Prospektion im Wald, wo es vor allem auf die Beobachtung und Kartierung der Geländeausbildung zwecks Erkennung und Dokumentation obertägig sichtbarer bzw. verschliffener Bodendenkmäler ankommt. Dabei werden vorhandene Aufschlüsse (z. B. Baumgruben, Maulwurfshügel, Entwässerungsgräben etc.) dokumentiert  und eingemessen sowie die Funde aufgesammelt.
Zwischen den Bäumen werden großvolumige Bohrungen mit einem Edelmannbohrer geeigneter Größe im Humus je nach Bewuchs möglichst in einem festen Raster (beginnend mit 20 Metern im Quadrat und verdichtend bei Fundvorkommen) zur Gewinnung von Funden und Aussieben des Bohrgutes (vorwiegend auf Sandböden) niedergebracht. Ebenso wie in den Grünflächen können statt dessen auch im Wald "Siebtestlöcher" im Humus in einem festen Raster (beginnend mit 20 Metern im Quadrat und verdichtend bei Fundvorkommen) zur Gewinnung von Funden durch Aussieben des Aushubes mit Dokumentation etwaiger Befunde unterhalb der Humusunterkante angelegt werden.


Auswertung

Die Auswertung von Prospektionsmaßnahmen erfolgt auf der Grundlage der Einmessung in Gauss-Krüger-Koordinaten in einem GIS Programm. Dieses ermöglicht es, Sachdaten aus einer Datenbank mit räumlichen Daten zu verbinden und zu kartieren. Dafür werden alle Prospektionsergebnisse (Prospektionsflächen, Lage der Bohrungen, Befunde in den Sondagen etc.) digital erfasst.
Nach erfolgter Fundansprache und  datierung erfolgt die Eingabe der Fundattribute in eine Datenbank, die bereits die Koordinaten und Höhen aus der Einmessung enthält. So können jederzeit die Verteilung und geographische Lage der Funde, geordnet nach den verschiedenen Zeitstellungen und die archäologischen Plätze auf Karten sichtbar gemacht werden. Die Gegenüberstellung der Ergebnisse der verschiedenen Prospektionsmethoden ermöglicht die Abgrenzung archäologischer Plätze.


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