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Südlich von Bonn liegt im Siebengebirge die Kirchenruine des ehemaligen Zisterzienserklosters Heisterbach. Das Kloster war 1189 von Mönchen der Abtei Himmerod zunächst auf dem benachbarten Petersberg gegründet worden. Bereits nach wenigen Jahren erfolgte die Verlegung in das günstiger gelegenen Heisterbachtal. Bis zur Aufhebung der Abtei 1803 prägten die Mönche nicht nur durch den Bau der Abtei sondern auch durch die wirtschaftliche Nutzung des Tales die Umgebung.
Seit 1994 wird diese historische Kulturlandschaft durch das interdisziplinäre Forschungsprojekt „Modellhafte Konzeptentwicklung der Kulturlandschaft Heisterbacher Tal" erforscht. Neben der Erforschung waren von Anfang an aber auch die Vermittlung sowie Schutz und Pflege der Kulturlandschaft wichtiger Bestandteil des von der Stiftung Abtei Heisterbach, dem Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz und der Bundesstiftung Umwelt initiierten und geförderten Projektes. Viele Ergebnisse und Ideen werden in wenigen Jahren im Rahmen der Regionale 2010 umgesetzt werden.
Nachdem zuvor bereits die historischen Kulturlandschaftsrelikte erfasst worden waren, wurde im Jahr 2002 durch die Abt. Prospektion zunächst eine archäologische Bestandserhebung durchgeführt, um einen Überblick über die schon früher durchgeführten archäologischen Ausgrabungen, die im Wald noch erkennbaren Geländedenkmäler sowie die aus den historischen Quellen und Flurnamen erschließbaren Hinweise zur klösterlichen Landnutzung zu gewinnen.
Insbesondere die Auswertung historischer Quellen hat gezeigt, dass die Zisterzienser zwar größter Grundbesitzer vor Ort gewesen sind. Gleichzeitig hatten aber auch Privatpersonen sowie andere geistliche und weltliche Grundherren Besitzungen und Nutzungsrechte inne.

Wichtiger Schwerpunkt der Forschungen war und ist das Zisterzienserkloster selbst. Da nach der Aufhebung die romanische Klosterkirche mit den Klausurgebäuden abgebrochen worden sind und genaue historische Ansichten und Pläne nicht überliefert sind, können genauere Aussagen über Lage und Dimension einzelner Gebäude nur durch archäologische Forschungen gewonnen werden.
Bereits im Winter 2001/2002 wurden durch die Firma van de Graaf Archäologie mehrere kleine Grabungsschnitte im Bereich des östlichen Klausurflügels geöffnet, um einen Einblick in die Lage von Kapitelsaal und Dormitorium zu bekommen. Besonders bemerkenswert war die Entdeckung einer mehrfach umgebauten Latrine, die am Ende des Dormitoriums in einen Brauchwasserkanal geführt wurde.

2002 wurden außerhalb des Klosters Magnetometermessungen durchgeführt. Neben der genauen Bestimmung der Lage der klostereigenen Fischteiche wurde die Flur „Alrott" untersucht, auf der eine im Zuge der Klostergründung aufgegebene Siedlung gelegen haben könnte.
Die heute verlandeten Fischteiche sind nicht nur Zeugnis zisterziensischer Wasserbaumaßnahmen, sondern bergen auch im dauerfeuchten Boden ein bedeutendes paläobotanisches Archiv. Im Schlamm des Teichgrundes, der sich in bis zu vier Meter mächtigen Schichten abgelagert hat, sind die Pollen der Umgebungsvegetation bis heute erhalten geblieben. Die Analyse der aus mehreren Bohrkernen gewonnen Pollen zeigte, dass das heute weitestgehend mit Wald bestandene Tal in vergangenen Zeiten viel intensiver landwirtschaftlich genutzt wurde.
Die Teiche wurden nicht nur durch den Heisterbach sondern auch durch den großen Brauchwasserkanal des Klosters gespeist. Dieser heute noch begehbare Kanal umschloss die Klausurgebäude bogenförmig und führte so Abfälle und Fäkalien von Küchen und Dormitorien weg. Um eine konstante Spülung des Kanals zu gewährleisten, hatten seine Erbauer eine Quelle im Tuff des benachbarten Berges durch einen Stollen erschlossen. Noch heute schüttet dies Quelle bis zu 100000 l/Tag.
Die noch laufenden Untersuchungen des Kanals konnten zeigen, dass er bereits in der Gründungsphase des Klosters um 1200 errichtet worden sein muss. Seitenkanäle und Mündungen von Latrinen geben die Standorte verschiedener Klausur- und Wirtschaftsgebäude wider.
Dass aber auch dieser „Blick von unten" auf das Kloster nur einen begrenzten Ausschnitt zeigt, hat die archäologische Betreuung von Leitungsverlegungen gezeigt. Im Bereich der barocken Zufahrt wurden Fundamente großer Gebäude freigelegt, die vermutlich auch zum romanischen Baubestand gehört haben müssen.
Durch die weitere archäologische Begleitung der in den nächsten Jahren anstehenden Sanierungs- und Verschönerungsarbeiten auf dem Klostergelände sind weiter interessante Einblicke in diese bedeutende mittelalterliche Klosteranlage zu erwarten.

Dr. Nora Andrikopoulou
Tel.: +49 (0) 228 / 98 34 -153
E-Mail: nora.andrikopoulou@lvr.de
Christoph Keller M.A.
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