LVR-Amt für
Bodendenkmalpflege
im Rheinland
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Tüllenkanne Pingsdorfer Machart, um 1200, Fundort Brauweiler (Foto: Alfred Schuler, LVR-ABR)

Archäologie
im Rheinland

Erst Kastell, dann Pfalz

Spätrömische Wehranlage in Aachen mit Rundturm

Bei Baumaßnahmen auf dem Aachener Markthügel kamen spätantike Überreste zutage. Sie bestätigten endgültig, dass es sich bei den 2011 erfassten Befunden um eine spätrömische Wehranlage handelt. Gefunden wurde ein wichtiger Abschnitt der im Fundament über 5 m breiten Umfassungsmauer und erstmals Teile eines Rundturmes. Damit ist die Ausdehnung des Kastells nach Osten geklärt. Die polygonale Mauer mit Rundtürmen umfasst eine rekonstruierte Innenfläche von ca. 1 Hektar und lässt sich gut mit den zeitgleichen Kastellen von Jülich oder Bitburg vergleichen.

Eine an der Westseite des Marktes belegte münzdatierte Brandschicht, die mit den Frankeneinfällen von 275/276 in Verbindung gebracht wird, geht dem Kastell unmittelbar voraus. Die Erhaltung ist mit etwa 1 m des aufgehenden Mauerwerks beachtlich. Besonders bedeutsam ist, dass die Wehrmauer frühestens im 12. Jh. vollständig niedergelegt wurde. Karl der Große ließ seine Königshalle also in ein spätrömisches Kastell integrieren, welches dadurch zu einem Teil der Pfalz wurde.

Dank einer vorbildlichen Vermittlung zwischen Interessen von Bauherren und Archäologie kann der herausragende Befund nicht nur erhalten werden. Es gibt darüber hinaus ernsthafte Bemühungen, den Befund dauerhaft der Öffentlichkeit zu präsentieren. (D. Kyritz, A. Schaub)

Grabungsleitung: Dr. Donata Kyritz, sk ArcheoConsult

Abbildungen

NRW_RL_Aachen_Abb

Aachen, Markt 46. Spätrömische Wehrmauer mit Ansatz eines (halb-?)runden Turmes, gegen Südost. Im Vordergrund ist die Mauer von einem neuzeitlichen Kanal durchschlagen.

Bildautor: Donata Kyritz, sk ArcheoConsult

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