LVR-Amt für
Bodendenkmalpflege
im Rheinland
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Tüllenkanne Pingsdorfer Machart, um 1200, Fundort Brauweiler (Foto: Alfred Schuler, LVR-ABR)

Archäologie
im Rheinland

Geoarchäologie

Ein Beispiel für die Arbeit der Geoarchäologie bietet eine Begleitung der Verlegung einer Gasleitungstrasse: Bei der WINGAS-Grabenbetreuung erbrachte die Kombination von Archäologie und Geoarchäologie eine Fülle neuer Erkenntnisse. Dazu zählt u. a. die Kartierung fossiler Schwarzerdehorizonte. Relikte jenes, heute bei uns nicht mehr existenten, äußerst fruchtbaren Bodens, den die neolithischen Bauern noch bearbeiten konnten.

Neu war dabei die Erkenntnis, dass dieser fossile Boden immer mit anthropogenen Gruben vergesellschaftet war und dass ein deutlicher Anteil der schwarzfärbenden Substanz aus verbranntem organischen Material besteht. Brände müssen aber in den Laubwäldern der damaligen Zeit immer vom Menschen gelegt worden sein. Diese Beobachtungen führten zu einem interdisziplinären und internationalen Forschungsprojekt bei dem es um die Überprüfung der These geht, dass diese Schwarzerderelikte möglicherweise keine natürlichen Böden, sondern Zeugnisse neolithischer Brandwirtschaft, also Off-site-Befunde sind (Universität Köln).

Die Paläontologische Bodendenkmalpflege beschäftigt sich mit dem Schutz von Fossilien und Fossilfundplätzen, sie nimmt Fossillagerstätten auf (Kartierung, Bewertung, Überprüfung), gibt gutachterliche Stellungnahmen zu Fossillagerstätten im Rahmen der Planbeteiligung ab und organisiert und überprüft paläontologische Ausgrabungen im Rahmen der Denkmalpflege.
Ein Beispiel war die Begleitung der Neubaustrecke der Deutschen Bahn, die eine rechtsrheinische Schnellverbindung zwischen Köln und Frankfurt schafft. Sie war in zweifacher Hinsicht ein Meilenstein für die paläontologische Bodendenkmalpflege. Hier konnte mit der bauvorgreifenden Prospektion auf gefährdete Fossillagerstätten zum ersten Mal das Verursacherprinzip in der paläontologischen Bodendenkmalpflege durchgesetzt werden. Ein Prinzip, das den Verursacher (hier DB AG) einer möglichen Zerstörung bedeutender Fossilien zur Kostentragung der notwendigen denkmalpflegerischen Maßnahmen verpflichtet.

Aufgrund dieses Prinzips konnten im zweiten Schritt die beiden großen Tunnelprojekte im Rheinland, der Siegtunnel durch die Schichten des Tertiärs (ca. 25 Millionen Jahre) und der Aegidienbergtunnel durch die Schichten des Unterdevons (ca. 400 Millionen Jahre) während des gesamten Baubetriebes paläontologisch von den Experten der Universität Bonn begleitet werden.

Diese rund zweijährige kontinuierliche Ausgrabung, Bergung und Dokumentation von Fossilmaterial zählt zu den größten Maßnahmen der paläontologischen Denkmalpflege in Deutschland.

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