LVR-Amt für
Bodendenkmalpflege
im Rheinland
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Tüllenkanne Pingsdorfer Machart, um 1200, Fundort Brauweiler (Foto: Alfred Schuler, LVR-ABR)

Archäologie
im Rheinland

Eine repräsentative römische Villa mit wechselvoller Geschichte

Grabung der Außenstelle Nideggen (LVR-ABR) in Inden-Lucherberg

2012 wurde durch die Außenstelle Nideggen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland bei Inden-Lucherberg (Kreis Düren) ein römisches Landgut in großen Teilen aufgedeckt und archäologisch untersucht. Der archäologische Befund zeigt eine Reihe von baulichen Veränderungen und auch ein Feuer auf.

Im 1. Jahrhundert n. Chr. legten die ersten Siedler auf dem Areal in der Nähe des Wehebaches ein Gehöft an. Dies dokumentieren Gebäudespuren und ein kleines Gräberfeld am Rande der Siedlung. Noch im 2. Jahrhundert löste ein großer, rechteckiger Bau den großen Pfostenbau des 1. Jahrhunderts ab. Eine Palisade umschloss fortan das Hofgelände im Süden und Westen.

Im 3. Jahrhundert erweiterte man das Hofgelände nach Westen mit einer neuen Palisade. Neben dem Nachweis einer Fußbodenheizung sprechen die große Anzahl von Architekturteilen und das Fragment einer Jupitersäule aus der Rinnenverfüllung für die gehobene Ausstattung des repräsentativen Landguts.


Um die Mitte des 3.Jahrhunderts zerstörte ein Feuer das Ziegeldach des großen Baues. Dies machten eine Schuttschicht aus dicht gelagerten Dachziegeln mit Schmauchspuren, verkohlte Holzflitter und die Nägel der einstigen Dachlattung deutlich. Der Brand führte aber offenbar nicht zur Aufgabe der Hofanlage: In fünf Gruben fand das Grabungsteam jüngeres Material aus der Zeit der Wende vom 4. zum 5. Jahrhundert.

Auch aus der Verfüllschicht der ehemals wasserführenden Rinne des Wehebaches sind Keramikbruchstücke dieser Zeit belegt. In deren Rand setzte man in der Spätantike drei kleine Öfen, vermutlich zum Einschmelzen von Altmetall aus dem Gehöft. Nach der Aufgabe der Hofanlage in der Spätantike wurde das Areal nicht wieder besiedelt. Spätmittelalterliche bis neuzeitliche Gräben bezeugen die landwirtschaftliche Nutzung des Areals, die erst heute einem Wohngebiet Platz machen muss.

Grabungsleitung: Ulrike Müssemeier und Felix Kunze

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